Ich plane gerade eine Rundreise durch Mittelitalien im Juli und stehe vor der Qual der Wahl: Toskana oder Umbrien – oder realistischerweise beides? Ich lese seit Wochen durch diverse Reiseberichte und Blogs, aber so langsam weiß ich nicht mehr, was ich davon halten soll. Die Toskana wird überall als DAS Ziel angepriesen, aber wenn ich ehrlich bin, klingen viele dieser Empfehlungen ziemlich austauschbar und wenig selbst erlebt.
Mich interessiert vor allem, wie es im Juli dort wirklich zugeht. Ich habe das Gefühl, dass Orte wie San Gimignano oder Siena im Hochsommer schlicht überlaufen sind – und dann stellt sich für mich die Frage, ob Umbrien nicht die klügere Wahl wäre. Perugia, Assisi, Spoleto – das klingt alles etwas ruhiger.
Aber ich lasse mich auch gerne eines Besseren belehren, wenn jemand konkrete, aktuelle Erfahrungen hat. Was ich nicht brauche, sind Pauschalaussagen à la 'beide sind toll auf ihre Weise'. Ich suche echte Einschätzungen: Wo ist der Unterschied bei Preisen, Besucherdichte und Infrastruktur im Sommer? Gibt es bestimmte Orte, die komplett überschätzt sind? Ich fahre mit dem Auto, also bin ich nicht auf ÖPNV angewiesen – das erweitert die Optionen vielleicht etwas.
Freue mich über ehrliche Antworten.
Also ich war mit dem Auto in beiden Regionen unterwegs, nicht im Juli, aber im September – also kann ich nur bedingt direkt vergleichen. Was ich sagen kann: Die Straßen in Umbrien sind oft schmaler und kurvenreicher, aber dafür kaum verstopft. In der Toskana auf der SS2 oder rund um Montalcino kann es im Sommer schon zäh werden, das höre ich immer wieder von Leuten die ich kenne.
Für Autofahrer ist Umbrien logistisch eigentlich sehr angenehm. Parkplätze in den kleineren Orten sind noch halbwegs zu finden, die Beschilderung ist gut. Von Perugia aus lässt sich fast alles gut erreichen ohne dass man stundenlang im Stau steht.
Wenn du wirklich beide Regionen willst: Ich würde Umbrien als Basis nehmen und einen oder zwei Tagesausflüge in die südliche Toskana (Pienza, Monticchiello) einplanen. Das sind dann die Ecken, die sich auch im Sommer noch lohnen ohne dass man das Gefühl hat, im Disneyland gelandet zu sein.
Ich schau beim Reiseplanen immer zuerst auf Events und Festivals – und da ist der Unterschied zwischen den beiden Regionen im Juli ziemlich interessant. In Umbrien findet Ende Juli das Umbria Jazz Festival in Perugia statt, das ist tatsächlich eines der renommiertesten Jazzfestivals Europas. Bedeutet aber auch: Perugia selbst ist dann proppenvoll und Unterkünfte sind teuer oder längst ausgebucht.
In der Toskana gibt es im Juli auch einiges, z.B. das Puccini Festival in Torre del Lago – eher klassisch, aber durchaus interessant. Siena hat den Palio, der ist aber Anfang Juli schon vorbei (2. Juli), also je nach Reisedatum eh kein Thema mehr.
Für mich persönlich wäre Umbrien Jazz ein echter Grund hinzufahren, aber dann muss man das früh buchen und realistisch einkalkulieren dass die Stadt in dieser Woche nicht wirklich 'ruhig' ist. Wenn du Events magst: Umbrien. Wenn du Events eher meidest: Trotzdem Umbrien, aber außerhalb dieser Woche.
Kurz von mir: Ich nutze für solche Vergleiche immer Google Maps Heatmap-Daten kombiniert mit Komoot für die Routenplanung. Man sieht da recht gut, welche Orte im Sommer wirklich überlaufen sind. San Gimignano leuchtet im Juli regelrecht rot. Umbrien ist da deutlich grüner – im übertragenen Sinne.
Ich war vor zwei Jahren im Juli in Umbrien und war positiv überrascht, wie angenehm das Reisen dort noch war – zumindest im Vergleich zu dem, was ich aus der Toskana kenne. Assisi war zwar auch voll, aber Spoleto und die kleineren Dörfer rundherum deutlich entspannter.
Was mich aus gesundheitlicher Perspektive beschäftigt: Die Hitze im Juli ist in beiden Regionen nicht zu unterschätzen, in der Toskana oft noch etwas trockener und belastender. Umbrien liegt etwas höher, das macht sich bemerkbar. Gerade wenn man viel zu Fuß unterwegs ist, sollte man das nicht unterschätzen.
Zur Überfüllung: Florenz und San Gimignano sind im Juli schlicht nicht mehr entspannt zu genießen, da bin ich deiner Einschätzung nach – das ist kein Geheimtipp mehr, das ist Massentourismus. Wenn bewusster Reisen wichtig ist, hat Umbrien klar die Nase vorn. Kleinere CO₂-Bilanz durch kürzere Wege zwischen den Orten, weniger Ressourcendruck auf die lokale Infrastruktur. Ich würde Umbrien im Juli klar bevorzugen, aber zumindest einen Abstecher nach Siena würde ich nicht komplett streichen – einfach früh morgens hin.