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Südstaaten-Roadtrip im Sommer: Welche kulturellen Fettnäpfchen gibt es?

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Finn K.
Beiträge: 5
Themenstarter
(@finn_k_1998)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten
[#74]

Hey Leute, ich bin neu hier im Forum und eigentlich eher in der Surf-Ecke unterwegs, aber mein nächster Trip führt mich diesen Sommer für drei Wochen durch die US-Südstaaten – mein Kumpel hat mich quasi überredet und jetzt bin ich dabei. Geplant ist so eine Route von Nashville über Memphis, New Orleans, Savannah bis rauf nach Charlotte. Zugegebenermaßen kenne ich die Region kaum und hab das Gefühl, dass man dort echt schnell anecken kann, wenn man als Europäer mit falschen Erwartungen reinspaziert.

Mir geht's vor allem um echte kulturelle Fettnäpfchen, die man als Außenstehender nicht sofort auf dem Schirm hat. Zum Beispiel: Wie ist das mit Religion? Ich weiß, dass die Südstaaten deutlich religiöser sind als der Rest der USA – merkst du das im Alltag wirklich und sollte man das irgendwie berücksichtigen? Oder Themen rund um Geschichte und Rassismus – gibt es Situationen, wo man als Tourist unbewusst was Falsches sagen oder tun kann?

Auch Kleinigkeiten interessieren mich: Wie läuft das mit dem Trinkgeld, ist das anders als in NYC? Gibt es Dresscodes in Restaurants oder Kirchen, die man kennen sollte? Und generell: Wie gehen die Leute dort mit Fremden um, ist man als Europäer direkt auffällig?

Ich möchte das echt respektvoll angehen und nicht als einer dieser ahnungslosen Touristen wirken. Danke schon mal für alle Tipps!


4 Antworten
Sarah-Weber
Beiträge: 6
(@sarah-weber)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Hi Finn, ich war selbst schon ein paarmal in den Südstaaten, eher für Strandurlaub in Florida und einmal kurz in New Orleans – aber ein paar Sachen kann ich trotzdem beitragen. Beim Trinkgeld würde ich mindestens 20% einplanen, das ist dort wirklich Standard, eher mehr als weniger. Ich hab das Gefühl, dass man in Restaurants etwas schiefer angeschaut wird wenn man sichtlich europäisch auftritt und dann knapp tippt. Zum Thema Religion: Sonntags ist in kleineren Städten vieles tatsächlich geschlossen oder reduziert, das hat mich in North Carolina mal kalt erwischt, als ich kurzfristig noch Lebensmittel kaufen wollte. Ansonsten hab ich die Leute immer als super freundlich erlebt, aber das ist so eine warme Freundlichkeit die manchmal etwas formeller ist als man das aus Deutschland kennt – also ruhig höflich und etwas zurückhaltender als in Großstädten. Dresscode in Kirchen: Wenn du mal reinschaust, lieber keine kurze Hose und kein Tanktop, das wird durchaus registriert.


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SabineK
Beiträge: 16
(@sabinek)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Schöne Frage, Finn! Ich bin zwar eher auf Yoga-Retreats spezialisiert und kenne die Südstaaten vor allem von einer Durchreise auf dem Weg zu einem Retreat in Tennessee – aber gerade was Achtsamkeit im Umgang mit fremden Kulturen angeht, hab ich da schon einiges mitgenommen.

Was mir wirklich aufgefallen ist: Die Menschen im Süden sind oft sehr direkt höflich, sagen 'Yes, ma'am' und 'Yes, sir' ganz selbstverständlich. Das klingt für Deutsche erstmal steif, ist aber kein Sarkasmus – einfach Gepflogenheit. Wenn du das erwiederst, kommst du sofort sympathischer rüber.

Bei Themen wie Bürgerkrieg, Sklaverei oder die Confederacy-Flagge würde ich als Europäer vorsichtig sein. Nicht weil man es nicht ansprechen darf, aber es ist ein sensibles Feld und je nach Gesprächspartner reagieren Menschen da sehr unterschiedlich. Ich persönlich finde, zuhören und nachfragen ist immer besser als eine Meinung draufhauen.

Und ja, Sonntagsruhe ist real. In manchen Counties gilt sogar noch Alkoholverbot am Sonntag (sogenannte 'Dry Counties') – das solltest du vorher checken, besonders wenn du in ländlicheren Gegenden unterwegs bist.


Antwort
Björn K.
Beiträge: 5
(@alpenskeptic47)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Also ich würde mal kurz einhaken, weil ich finde dass manche Ratschläge hier etwas übergeneralisieren. 'Die Südstaaten' sind keine homogene Masse – Nashville ist eine Millionenstadt mit junger Bevölkerung, New Orleans ist kulturell einzigartig und Savannah hat eine ganz eigene Atmosphäre. Was in einem kleinen Dorf in Mississippi gilt, trifft auf Beale Street in Memphis mitnichten zu.

Das mit den Dry Counties stimmt zwar, aber die meisten touristischen Routen führen da eh nicht durch. Lohnt sich trotzdem nachzuschauen, klar.

Was ich wirklich wichtig finde: Die Geschichte der Bürgerrechtsbewegung ernst nehmen und nicht als Fototour behandeln. Orte wie das National Civil Rights Museum in Memphis oder Selma in Alabama sind keine Attraktion im Freizeitpark-Sinne – da sollte man mit echtem Respekt hingehen und nicht das Selfie in den Vordergrund stellen. Das beobachte ich leider öfter bei Touristen und es fällt den Einheimischen auf.

Ansonsten: einfach offen sein, fragen statt annehmen, und nicht jeden als Klischee behandeln. Funktioniert überall auf der Welt.


Antwort
Thomas89
Beiträge: 13
(@thomas89)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Björn hat recht, die Verallgemeinerung ist tatsächlich ein Problem. Ich hab letztes Jahr eine App getestet, die lokale Verhaltensregeln nach Region aufschlüsselt – leider noch recht lückenhaft für die USA, aber für sowas theoretisch nützlich.

Praktischer Tipp aus eigener Erfahrung: Ladet euch 'iOverlander' oder ähnliche Offline-Tools, und schaut euch speziell für Savannah und New Orleans vorher an, welche Stadtteile touristisch erschlossen sind und welche nicht – das ist dort teils sehr kleinräumig. In New Orleans z.B. gilt: French Quarter ist safe und touristenfreundlich, aber schon wenige Blocks daneben kann das Bild kippen, vor allem nachts im Sommer. Nicht um Angst zu machen, aber das ist einfach Realität.

Und zum Thema Religiosität: Ich würde nicht aktiv religiöse Aussagen kommentieren oder hinterfragen, auch nicht im Scherz. Das geht schnell schief, selbst wenn es harmlos gemeint ist. Einfach nicken und Thema wechseln funktioniert besser als jede Diskussion.


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