Seite wählen

Am Gate klemmt der Buggy quer im Gang, das Kind schreit, weil der Schnuller im aufgegebenen Koffer liegt, und die Anzeigetafel zeigt schon “Boarding” – so beginnt für viele Eltern der erste Flug mit Kleinkind. Dabei lässt sich fast jede dieser Situationen mit ein wenig Vorbereitung vermeiden. Der Unterschied zwischen einem entspannten und einem nervenaufreibenden Urlaub mit Kleinkind liegt selten am Ziel, sondern fast immer an der Planung davor.

Die wichtigste Entscheidung fällt schon bei der Wahl des Reiseziels und der Anreise. Kurze Strecken bis etwa drei Stunden Flugzeit oder Autofahrt sind mit Kindern zwischen einem und drei Jahren deutlich verträglicher als Fernreisen mit Zeitverschiebung. Wer dennoch weiter fliegen möchte, sollte Nachtflüge in Betracht ziehen, bei denen der gewohnte Schlafrhythmus zumindest teilweise erhalten bleibt. Direktflüge sind ihr Geld wert, selbst wenn sie 50 bis 150 Euro teurer sind als Verbindungen mit Zwischenstopp – jede Umsteigezeit mit müdem Kleinkind und Gepäck kostet mehr Nerven, als der gesparte Betrag wieder gutmacht.

Bei der Packliste lohnt sich ein Blick auf das, was am Zielort tatsächlich verfügbar ist. Windeln, Feuchttücher und Babynahrung gibt es in den meisten europäischen Urlaubsländern problemlos in Supermärkten, in abgelegeneren Regionen Asiens oder Afrikas dagegen oft nur in schlechterer Qualität oder zu deutlich höheren Preisen. Für die ersten 48 Stunden empfiehlt sich ein Vorrat im Handgepäck, der auch Verzögerungen beim Gepäck oder der Anreise abfedert. Dazu gehören mindestens ein kompletter Wechselsatz Kleidung fürs Kind, eine kleine Auswahl an vertrauten Snacks, das Lieblingskuscheltier und, falls vorhanden, das gewohnte Fläschchen oder der Becher – ein ungewohntes Trinkgefäß kann bei Kleinkindern erstaunlich viel Widerstand auslösen.

Ein eigener Reisepass ist für Kinder ab der Geburt in fast allen Ländern Pflicht, ein Eintrag im Pass der Eltern reicht schon lange nicht mehr aus. Die Beantragung dauert bei den meisten deutschen, österreichischen und Schweizer Passämtern zwischen zwei und sechs Wochen, in der Ferienzeit auch länger, weshalb sie frühzeitig erfolgen sollte. Bei Reisen ohne beide Elternteile verlangen manche Länder eine schriftliche Einverständniserklärung des nicht mitreisenden Elternteils, teils sogar notariell beglaubigt. Welche Einreisebestimmungen für Kinder konkret gelten, sollte vor jeder Buchung direkt bei der Botschaft des Ziellandes oder über das Auswärtige Amt geprüft werden, da sich diese Vorgaben ändern können und Reisebüros nicht immer den aktuellsten Stand kennen.

Beim Thema Impfungen gilt für Kleinkinder besondere Vorsicht: Der reguläre Impfkalender ist oft noch nicht vollständig abgeschlossen, und manche Reiseimpfungen sind erst ab einem bestimmten Alter zugelassen. Eine verlässliche Einschätzung dazu kann nur ein Kinderarzt oder eine tropenmedizinische Beratungsstelle geben, idealerweise sechs bis acht Wochen vor Abreise, damit bei Bedarf noch Zeit für einen zweiten Termin bleibt. Auch eine Auslandskrankenversicherung, die Kinder ausdrücklich mit einschließt, gehört auf die Checkliste – die gesetzliche Krankenversicherung deckt außerhalb der EU in der Regel nichts oder nur einen Bruchteil der Kosten ab.

Reise-Tipps per E-Mail

Zwanzig kurze Tipps für die nächste Reise: Budget, Reisezeit, Absicherung, Impfungen, Papiere, Reisestil, Sprache und die Ziele, über die wir hier schreiben. Dazu die Reise-Checkliste als PDF. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Bei der Unterkunft entscheidet sich viel über die Erholung der Eltern. Ein separates Schlafzimmer oder zumindest ein Apartment mit Trennwand ist bei Kleinkindern fast wichtiger als die Lage am Strand, denn das abendliche Einschlafen des Kindes markiert häufig das Ende des gemeinsamen Abends. Viele Ferienanlagen bieten Gitterbetten, Hochstühle und manchmal auch einen Babysitter-Service an, allerdings meist nur auf Anfrage und gegen Gebühr von 5 bis 15 Euro pro Stunde. Wer das braucht, sollte es schon bei der Buchung klären und sich nicht auf die Aussage “ist meistens kein Problem” verlassen.

In diesem Zusammenhang lohnt sich auch ein Blick auf diesen Artikel zum Thema: reiseapotheke packliste.

Das Klima am Zielort verdient mehr Aufmerksamkeit, als es beim Blick auf Urlaubsfotos oft bekommt. Temperaturen über 30 Grad, hohe Luftfeuchtigkeit oder starke Höhenlagen setzen kleinen Kindern stärker zu als Erwachsenen, weil ihr Temperaturhaushalt noch nicht so stabil reguliert ist. Die Mittagsstunden in tropischen oder mediterranen Zielen sollten für Aktivitäten im Schatten oder für den Mittagsschlaf reserviert bleiben, nicht für Ausflüge. Auch die Regenzeit in vielen beliebten Fernzielen wie Südostasien oder der Karibik bedeutet nicht zwangsläufig Dauerregen, wohl aber tägliche, oft heftige Schauer am Nachmittag, auf die sich der Tagesablauf einstellen lässt.

Der Autokindersitz ist ein Punkt, an dem viele Familien unnötig Geld verlieren oder unnötiges Risiko eingehen. Mietwagenfirmen bieten Kindersitze meist gegen 5 bis 12 Euro pro Tag an, was bei einer zweiwöchigen Reise schnell über 100 Euro ausmacht – günstiger und oft sicherer ist es, den eigenen Sitz mitzunehmen, sofern die Fluggesellschaft ihn kostenlos oder gegen geringe Gebühr transportiert. Viele Airlines erlauben die kostenlose Aufgabe von Kinderwagen und Kindersitz zusätzlich zum regulären Freigepäck, allerdings unterscheiden sich die Regelungen je nach Gesellschaft und sollten vor dem Flug direkt nachgelesen werden.

Auch die Tagesplanung vor Ort profitiert davon, wenn sie sich am Rhythmus des Kindes statt an einem durchgetakteten Reiseprogramm orientiert. Zwei größere Programmpunkte pro Tag sind für die meisten Kleinkinder das Maximum, dazwischen braucht es Pausen, vertrautes Essen und ausreichend Schlaf. Ein Ausflugsziel, das sich notfalls nach einer Stunde abbrechen lässt, ist einem straffen Tagesausflug mit festen Rückfahrzeiten vorzuziehen. Wer diesen Puffer von vornherein einplant, erlebt weniger Frustration, wenn das Kind an einem Urlaubstag einfach keine Lust auf das geplante Museum oder den Tempelbesuch hat.

Passend dazu haben wir einen weiteren Beitrag zum Thema: afrika reise impfungen.

Nicht zu unterschätzen sind schließlich die versteckten Kosten einer Reise mit Kleinkind. Zusätzliches Gepäck, Verpflegung unterwegs, eventuell ein zweites Hotelzimmer oder eine größere Ferienwohnung, Ausrüstung wie Sonnenschutz für den Kinderwagen oder ein Reisebett schlagen sich schnell mit mehreren Hundert Euro zusätzlich nieder, verglichen mit einer Reise zu zweit. Wer diese Posten von Anfang an im Budget berücksichtigt, vermeidet unangenehme Überraschungen und kann in Ruhe abwägen, wo sich Einsparungen lohnen und wo nicht – etwa beim Direktflug, der trotz höherem Preis meist die bessere Investition bleibt.

Der nächste sinnvolle Schritt ist eine einfache Liste, aufgeteilt in Dokumente, Gesundheit und Ausrüstung, die spätestens sechs Wochen vor Abreise abgearbeitet wird. Wer jetzt den Pass des Kindes beantragt, einen Termin beim Kinderarzt vereinbart und die Einreisebestimmungen des Ziellandes bei der zuständigen Botschaft prüft, hat die größten Unsicherheiten aus dem Weg geräumt und kann sich in den verbleibenden Wochen auf das konzentrieren, was den Urlaub tatsächlich ausmacht.

Häufig gestellte Fragen

Was gehört auf die Packliste für Reisen mit Kleinkind?

Auf die Packliste sollten Windeln, Feuchttücher, Snacks, ein komplettes Wechselsatz Kleidung und das Lieblingskuscheltier gehören.

Wie beantrage ich einen Reisepass für mein Kind?

Der Reisepass für Kinder muss frühzeitig beantragt werden, da die Bearbeitung mehrere Wochen in Anspruch nehmen kann.

Welche Impfungen sind für Kleinkinder wichtig?

Für Reisen mit Kleinkindern sind die regulären Impfungen sowie eventuell notwendige Reiseimpfungen wichtig, die man rechtzeitig beim Kinderarzt abklären sollte.

Wie plane ich den Tagesablauf im Urlaub mit Kleinkind?

Der Tagesablauf sollte sich am Rhythmus des Kindes orientieren, mit ausreichend Pausen und maximal zwei größeren Programmpunkten pro Tag.

Was sind versteckte Kosten bei Reisen mit Kleinkind?

Versteckte Kosten können zusätzliches Gepäck, Verpflegung, ein zweites Hotelzimmer oder spezielle Ausrüstung umfassen.

* Partnerprogrammhinweis: Wir erhalten ggf. eine Werbekostenvergütung, die uns hilft, dieses Angebot zu betreiben. Für dich entstehen keine Mehrkosten.