Hallo zusammen,
ich bin eigentlich eher im Bereich Wildlife-Fotografie unterwegs und normalerweise eher in Richtung Afrika, aber dieses Jahr hat mich irgendwie der Roadtrip-Virus gepackt und ich überlege ernsthaft, die Route 66 zu fahren. Ich weiß, das klingt vielleicht komisch für jemanden wie mich, aber ich dachte, ein paar Wochen durch die amerikanische Wüstenlandschaft könnten auch fotografisch super interessant sein.
Nun zu meinen Fragen: Ich habe absolut keine Ahnung, wo ich mit der Planung anfangen soll. Macht man die komplette Strecke von Chicago bis Los Angeles oder eher nur Teile davon? Ich habe gelesen, dass im Juli die Hitze in manchen Abschnitten (Arizona, Mojave) extrem sein kann – ist das wirklich so schlimm oder übertrieben?
Was mich außerdem interessiert: Wie weit im Voraus muss man Hotels/Motels buchen? Ich bin es gewohnt, in der Serengeti spontan zu entscheiden wo ich bleibe, aber ich schätze in den USA läuft das anders. Und was ist mit dem Mietwagen – unbedingt ein Cabrio oder ist das vor allem touristisches Klischee?
Auch das Thema Gepäck beschäftigt mich, weil ich natürlich mein Kameraequipment (mehrere Objektive, Stativ) dabei haben werde und das schon einiges an Platz braucht.
Freue mich über jeden Tipp, auch von Leuten die selbst noch nie dort waren aber sowas ähnliches gemacht haben!
Claudia
Hallo Claudia,
ich bin eigentlich eher in den Alpen unterwegs als auf amerikanischen Highways, aber zur Frage Hitze und Planung kann ich zumindest ein bisschen was sagen – das Prinzip ist ähnlich wie beim Hochgebirge: Man unterschätzt extreme Bedingungen gerne, bis es zu spät ist.
Der Juli in der Mojave-Wüste ist kein Spaß. Ich hab mal Berichte von Wanderern gelesen, die dort unterwegs waren – 45 Grad und mehr sind keine Seltenheit. Als jemand, der Bergtouren plant, würde ich sagen: Puffer einplanen, früh morgens fahren, mittags irgendwo in den Schatten, nachmittags erst wieder losfahren. Wasser in rauen Mengen.
Was die Strecke angeht: Ich würde nicht die komplette Route unter Zeitdruck durchpeitschen. Lieber einen Abschnitt richtig machen. Der Teil durch Oklahoma, Texas und New Mexico soll landschaftlich sehr stark sein und ist etwas weniger überlaufen als die Klassiker in Arizona. Für dein Kameraequipment würde ich auf jeden Fall einen SUV oder Kombi nehmen statt Cabrio – letzeres ist für lange Fahrten mit schwerem Gepäck einfach unpraktisch, und du willst abends nicht dein Stativ irgendwo angekettet auf dem Parkplatz lassen.
Wir planen gerade ähnliches für nächstes Jahr, also verfolge ich diesen Thread mit Interesse! Meine Frau und ich haben lange keine große Reise mehr gemacht und überlegen auch ob die USA was für uns wäre.
Zur Hotelfrage: Spontan funktioniert in den USA außerhalb der touristischen Hotspots oft noch ganz gut, aber entlang der Route 66 im Juli würde ich das nicht riskieren. Gerade die kleinen Motels in Seligman oder Williams sind beliebt und oft früh ausgebucht. Wir haben das für unsere Planung schon recherchiert – 2-3 Monate vorher buchen ist keine Übertreibung, zumindest für die bekannteren Übernachtungsorte.
Was mich bei eurer Idee am meisten reizt ist genau das was du beschreibst: echte Begegnung mit der amerikanischen Alltagskultur abseits der großen Städte. Die kleinen Diners, die Tankstellen, die Leute in den Kleinstädten. Ob das heute noch so funktioniert oder ob alles touristisch überfrachtet ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Vielleicht hat jemand anderes hier aktuellere Eindrücke?
Das Cabrio würde ich übrigens auch lassen wenn du viel Equipment dabei hast. Praktisch schlägt Romantik.
Für die Navigation empfehle ich unbedingt eine Offline-Karte zu laden, bevor du in entlegene Abschnitte fährst. In einigen Teilen der Route gibt es kaum Mobilfunkempfang. Ich nutze für meine Touren in Kenia und Tanzania immer Maps.me oder OsmAnd mit vorher heruntergeladenen Karten – das Prinzip ist in der US-Wüste genauso sinnvoll. Google Maps allein würde ich dort nicht vertrauen.
Kurze Ergänzung zur ESTA-Frage, falls du die noch nicht auf dem Schirm hast: Die Genehmigung muss vor Abreise beantragt werden, geht online und ist relativ unkompliziert, aber vergiss es nicht. Ich hatte mal einen Kollegen der das eine Woche vor dem Flug fast verschlafen hätte.
Zum Rest: Als jemand der öfter solo reist und dabei viel digital plant, würde ich für die Route 66 die App "Historic Route 66" empfehlen – die hat Infos zu Sehenswürdigkeiten, historischen Stopps und auch Bewertungen zu Tankstellen und Motels. Nicht perfekt aber ganz nützlich als Ergänzung.
Bei deinem Kameraequipment: Miet dir auf jeden Fall ein Auto mit ordentlichem Kofferraum und wenn möglich dunklen Fenstern hinten. Kamerataschen in der prallen Sonne im Auto können Probleme machen, hab ich mal gelesen. Ich bin zwar kein Fotograf aber das scheint mir logisch. Und gerade im Juli in Arizona willste nicht riskieren das ein Objektiv Schaden nimmt wegen Hize im verschlossenen Auto.