Hallo zusammen,
ich plane für den kommenden Juli eine längere Tour durch die kanadischen Rockies und bin dabei hauptsächlich an anspruchsvolleren Kletterrouten und Berggipfeln interessiert – nicht nur Wanderwege. Ich bringe Alpenerfahrung mit (über 200 Gipfel, von der Zugspitze bis zum Gran Paradiso), bin also kein Anfänger, aber Kanada kenne ich noch gar nicht.
Meine konkrete Frage: Wie übertragen sich die europäischen Schwierigkeitsgrade auf kanadische Verhältnisse? Ich bin es gewohnt, mit UIAA-Skala oder alpiner Einstufung zu arbeiten. Drüben nutzen die ja die Yosemite Decimal Scale – das kenn ich theoretisch, aber wie schlagen sich die Routen im Vergleich wirklich? Ist ein 5.9 in den kanadischen Rockies vergleichbar mit einem UIAA IV, oder gibt es da Tücken?
Zusätzlich würde mich interessieren: Wie ist die Absicherung an typischen Multi-Pitch-Routen dort? In den Alpen findet man an beliebten Routen oft gut eingerichtete Standplätze, mobile Sicherungen, manchmal sogar Bohrhaken. Wie sieht das in Kanada aus – muss ich mit deutlich mehr Naturschutz und schlechter gesichertem Gelände rechnen?
Und noch eine praktische Sache: Gibt es im Juli Routen, die wegen Schneeresten oder instabilem Fels gesperrt oder einfach nicht empfehlenswert sind? In den Alpen kenn ich das Problem gut, bin gespannt ob das dort ähnlich ist.
Bin für jeden Hinweis dankbar, besonders von Leuten die beides kennen.
Ich bin eigentlich eher der Digitaltools-Typ als Kletterexperte, aber zur Routenplanung in Nationalparks kann ich ein bisschen was sagen – ich hab das für meine Afrika-Touren ähnlich durchgekaut. Für den Vergleich UIAA vs. YDS gibt es online eigentlich ganz ordentliche Konversionstabellen, wobei ich aus Foren-Berichten mitgenommen habe, dass kanadische Rockies-Routen oft als etwas "sanfter" bewertet gelten als sie wirklich sind. Sprich: Unterschätzen wird dir dort öfter passieren als in den Alpen, wo die Einstufungen meiner Erfahrung nach zuverlässiger sind. Was Absicherung angeht – da bin ich ehrlich überfragt, das ist wirklich Spezialwissen. Ich würde für die Tourenplanung mal schauen ob du Parks Canada direkt kontaktierst, die haben für Backcountry-Routen eigentlich recht detaillierte Infos. Extreme Hüttentour Hohe Tauern hat mich damals auch auf die Idee gebracht, direkt bei der Parkverwaltung nachzufragen – hat sich bewährt.
Ich bin keine Kletterin, daher kann ich zu Schwierigkeitsgraden nichts sagen – aber: Aus meiner Erfahrung mit komprimierter Reiseplanung würde ich dir raten, nicht zu unterschätzen wie viel Zeit allein die An- und Abreise zu den Ausgangspunkten in Kanada kostet. Die Distanzen sind einfach brutal. Was in den Alpen mal eben 45 Minuten Anfahrt ist, kann dort locker 3-4 Stunden werden. Das frisst bei einem straffem Zeitplan wirklich Tage weg – hab das bei anderen Kanada-Touren so mitbekommen.