Hallo zusammen,
ich bin eigentlich bekannt für Alpentouren und Hüttenrouten, aber dieses Jahr zieht es mich mal in eine ganz andere Richtung – Südindien, konkret Kerala und vielleicht die Westghats. Ein Kumpel hat mir die Region empfohlen und ich bin neugierig geworden.
Mein Problem: Ich finde kaum verlässliche Infos darüber, wie es sich im Juli mit Wanderrouten in den Westghats verhält. In den Alpen kenne ich die Verhältnisse genau – Schneelagen, gesperrte Hütten, Steinschlagrisiko im Frühjahr. Aber Monsun ist für mich Neuland.
Konkret interessiert mich:
– Sind Wanderpfade z.B. rund um Munnar oder Wayanad im Juli überhaupt noch begehbar, oder ist da alles gesperrt/unpassierbar?
– Welche Art Untergrund erwartet mich (Schlamm, Sturzbach-Querungen)? Brauche ich andere Schuhe als für felsige Alpine?
– Gibt es offizielle Genehmigungen für Nationalparks wie Eravikulam, oder kann man die spontan lösen?
– Sind geführte Touren Pflicht oder kommt man da auch alleine durch?
Ich plane im Juli 10 Tage, würde gerne 3-4 davon für Wanderungen nutzen und den Rest Richtung Küste (Strand, Hausboot etc.). Falls jemand Erfahrung mit Trekking in Südindien im Monsun hat – ich freue mich über jede ehrliche Einschätzung, auch wenn die Antwort lautet "bleib in den Alpen".
Danke schon mal!
Markus
Kurze Einschätzung aus Planungsperspektive: Ich war selbst noch nicht in Kerala im Monsun, aber ich habe mir das letztes Jahr für einen möglichen Kurztrip angeschaut. Der Eravikulam-Nationalpark ist im Juli offiziell geschlossen – das ist keine Gerüchteküche, sondern steht so auf der Kerala Tourism-Website. Die sperren das Plateau wegen der Nilgiritahr-Brutsaison plus Monsunverhältnissen.
Für Munnar drumherum gibt es geführte Trekkinganbieter, die trotzdem operieren, aber die Trails sind wirklich anders als alpine Pfade – kein Fels, viel Lehm, hohe Luftfeuchtigkeit, Blutegel. Das klingt erstmal dramatisch, ist aber laut Berichten eher unangenehm als gefährlich wenn man vorbereitet ist.
Meine Empfehlung wäre: Genehmigungen für Nationalparks bitte vorab online prüfen, nicht auf spontan setzen. Für die 3-4 Tage Wanderung würde ich mir einen lokalen Guide gönnen – nicht wegen Pflicht, sondern weil die Trails schlecht markiert sind und die Situation im Monsun schnell wechselt. Effizienzgewinn ist da klar auf Seite der geführten Tour.
Also ich muss hier mal etwas Wasser in den Wein kippen. Ich hab dazu ja auch schon im Südasien-Juli-Thread geschrieben: Das Bild vom "romantischen Monsuntrekking" ist zu einem guten Teil Reiseblog-Konstrukt.
Die Realität: Eravikulam ist zu, das haben andere hier schon richtig gesagt. Munnar-Umgebung – ja, es gibt Anbieter die trotzdem führen, aber die Pfade sind rutschig, Blutegel-Befall ist erheblich, und Sichtweiten in den Wolken oft unter 50 Meter. Für jemanden der Alpenerfahrung hat klingt das nach easy, aber das ist was anderes als Gebirgsnebelwetter – die Feuchtigkeit ist dauerhaft und absolut.
Was ich empfehlen würde: Wayanad statt Munnar im Juli, da ist die Infrastruktur für Monsuntrekking realistischer aufgestellt. Und Erwartungen runtersetzen – das ist kein Alpenszenario, das ist Regenwald im Regen.
Markus, ich kann dir zwar keine Wanderauskunft geben, aber ich war zweimal in Kerala und einmal davon im Monsun (allerdings September). Die spirituelle Dichte dieser Region ist beeindruckend – die Tempel in Wayanad, die Dorfschreine entlang der alten Pfade. Wenn du ohnehin wanderst, würde ich dir empfehlen, Augen offen zu halten für die kleinen Cavara-Stämme-Siedlungen rund um Sultan Bathery. Kulturell extrem authentisch, aber respektvolles Verhalten ist Pflicht – fotographieren ohne Erlaubnis ist ein absolutes No-Go.
Zu den Trails selbst: Im September waren einige Wege in Wayanad noch matschig aber passierbar, mit ordentlichem Schuhwerk. Juli ist aber Monsun-Peak, das dürfte nochmal anders sein. Ich würde da auf lokale Führungsdienste setzen, weniger wegen Pflicht als wegen Orientierung – die Pfade sind nicht wie europäisch markierte Wanderwege.
Markus, ich kenn Südindien zwar nicht aus der Wanderperspektive, aber vom Reisen her bin ich mit der Region ein bisschen vertraut. Zum Thema Strände im Juli muss ich Markus89 recht geben – die Westküste Keralas ist im Monsun wirklich kein Badeparadies. Anders als die Karibik oder Ostafrika, wo ich unterwegs bin, ist das hier jahreszeitlich einfach ungünstig für Strand.
Wenn du aber schon mal unten bist: Die Ostküste Südindiens (Coromandel-Küste, Tamil Nadu) hat im Juli tatsächlich weniger Monsunprobleme als die Westküste – da kommt der Monsun erst im Oktober/November. Pondicherry z.B. ist im Juli eigentlich gut besucht. Das könnte ein Kompromiss sein wenn dir ein paar Strandtage wirklich wichtig sind – macht die Routenplanung komplexer, aber bei 10 Tagen mit einem Open-Jaw-Ticket vielleicht machbar.