Hallo zusammen,
wir fahren Anfang Juni nach Marseille, meine Frau und ich, etwa eine Woche. Wir sind beide keine Erstreisenden, waren schon in vielen europäischen Städten, aber Marseille ist neu für uns. Ich lese seit Wochen sehr unterschiedliche Erfahrungsberichte und komme nicht wirklich zu einem klaren Bild.
Konkret geht es mir um Folgendes: Wir möchten abends auch mal separat losgehen – sie mit einer Freundin, die zufällig zur selben Zeit dort ist, ich vielleicht allein zum Fußball schauen oder in eine Bar in der Nähe des Vieux-Port. Tagsüber sind wir zusammen unterwegs, das ist kein Problem. Aber abends allein, das ist nochmal was anderes.
Mir geht es nicht um Panikmache, ich weiß dass Marseille zu Unrecht oft verteufelt wird. Aber ich möchte trotzdem realistisch einschätzen: Welche Viertel sollte man abends als Einzelperson wirklich meiden? Gibt es bestimmte Routen oder Situationen, in denen man als offensichtlicher Tourist eher zur Zielscheibe für Taschendiebe oder Abzocke wird?
Außerdem: Gibt es typische Fallen beim Essen oder bei Taxifahrten, auf die man vorbereitet sein sollte? Wir wollen authentisch durch die Stadt, nicht nur in der abgesicherten Touristenzone bleiben.
Freue mich auf ehrliche Einschätzungen, keine Panikmache, aber auch keine Schönfärberei bitte.
Ich war letzten Sommer in Marseille und kann aus eigener Erfahrung was dazu sagen – hab auch vorher viel gelesen und war dann ehrlich gesagt positiv überrascht.
Der Vieux-Port abends ist völlig entspannt, da sind massenhaft Leute, gut beleuchtet, Restaurants und Bars dicht gedrängt. Als Einzelperson in einer Bar dort – kein Problem. Le Panier (das historische Altstadtviertel) ist tagsüber sehr touristisch, abends ruhiger aber immer noch sicher, solange man nicht in die Seitengassen Richtung Norden abdriftet.
Was ich wirklich meiden würde: Die Gegenden nördlich der Canebière ab Belsunce aufwärts, besonders Richtung Belle de Mai, sobald die Sonne weg ist. Nicht weil da garantiert was passiert, aber das Risiko ist einfach unnötig höher. Es gibt dort nichts touristisch Interessantes, das einen Abendspaziergang rechtfertigen würde.
Bei Taxifahrten: Nutzt am besten offizielle Taxis mit Taxameter oder die App Uber – bei manchen inoffiziellen Fahrern vor dem Bahnhof Saint-Charles wird gerne mal ein Pauschalpreis verhandelt, der sich später verdoppelt. Das ist eine klassische Falle.
Restaurants am Hafen: Die meisten Bouillabaisse-Angebote unter 25€ sind schlicht eine Touristenfalle mit Tiefkühlware. Wenn ihr echte Bouillabaisse wollt, lohnt sich die Recherche nach Restaurants mit dem offiziellen Bouillabaisse-Zertifikat – das ist dann teurer, aber zumindest echt. Ansonsten geht lieber auf den Marché des Capucins für Fischküche zu fairen Preisen.
Ich schreibe das übrigens als jemand, der Städtereisen generell eher entspannt angeht – ähnlich wie bei meinem Umbrien-Trip, wo ich auch vorher mehr Bedenken hatte als nötig. Marseille ist rauer als andere französische Städte, aber mit etwas gesundem Menschenverstand gut zu genießen.