Hallo zusammen,
ich muss gestehen, ich bin nach gut 15 Jahren Reisepause gerade dabei, mich wieder ans Wandern ranzutasten. Früher war ich viel unterwegs, dann kamen Arbeit, Familie, das Leben halt – und jetzt will ich endlich wieder raus.
Frankreich ist dieses Jahr mein Ziel, weil ich nicht gleich mit einer Fernreise einsteigen will, sondern erstmal schauen wie mein Körper das wieder mitmacht. Aber richtig verweichlichen will ich mich auch nicht – es soll schon anspruchsvoll sein, mehrere Tage hintereinander, mit Gepäck, nicht nur Tagestouren.
Meine Frage: Welche Region würdet ihr für eine mehrtägige Wandertour im Juli empfehlen? Ich denke an sowas wie die Pyrenäen oder den Zentralmassiv-Bereich, habe aber auch schon von der Ardèche gelesen. Ist die Haute-Provence auch eine Option? Mir ist wichtig, dass es abseits der typischen Touristenmassen geht – ich suche keine ausgetretenen Instagram-Pfade, sondern echte Natur und möglichst Kontakt mit Land und Leuten.
Was die Infrastruktur angeht: Ich muss nicht jeden Abend in einem Hotel schlafen, Hütten oder Chambre-d'hôtes-Unterkünfte wären völlig in Ordnung. Wie ist das in Frankreich so mit der Hüttenkultur, gibt es sowas in der Form wie in den Alpen?
Freue mich über jeden Tipp – gerne auch persönliche Erfahrungen!
Bernd
Ich würde noch die Cevennen ins Spiel bringen – total unterschätzt und im Juli angenehmer als die Hochgebirgsregionen, weil nicht so extrem. Robert Louis Stevenson ist da mit seinem Esel entlanggezogen, den GR70 gibt es bis heute. Die Region ist UNESCO-Biosphärenreservat, die Dörfer sind authentisch, die Wege gut markiert aber nie überlaufen.
Ich selbst war in den Cevennen im Frühjahr zum Glamping, aber ich hab dabei auch Abschnitte des GR70 abgelaufen und muss sagen: Das ist echtes Frankreich, keine Tourismuskulisse. Chambre d'hôtes gibt es dort viele, teils auf alten Bauernhöfen, das passt zu deinem Wunsch nach Kontakt mit Land und Leuten.
Was die Hitze angeht: Juli in Südfrankreich ist überall heiß, das sollte man nicht unterschätzen. Früh losgehen, mittags Pause, genug Wasser – das Übliche. In den Cevennen gibt es aber mehr Bachläufe als in der Provence, das hilft.
Für einen Wiedereinstieg nach langer Pause finde ich das ehrlich gesagt besser als gleich die Pyrenäen mit all ihren logistischen Anforderungen.
Pyrenäen im Juli: top. Kenn ich vom Motorrad her, die Pässe sind legendär. Zu Fuß war ich selber noch nicht, aber die Landschaft ist unglaublich. Wenns dir um Abgeschiedenheit geht – östliche Pyrenäen Richtung Ariège sind deutlich ruhiger als der Bereich um Gavarnie, da laufen im Hochsommer die Massen.
Bernd, die Pyrenäen sind im Juli eine sehr gute Wahl – ich war dort schon zweimal, einmal auf dem HRP (Haute Randonnée Pyrénéenne) und einmal auf Teilstücken des GR10. Der GR10 verläuft komplett auf französischer Seite und ist für einen Wiedereinstieg deutlich besser geeignet als der HRP, der teilweise alpines Gelände und Orientierungsvermögen abseits markierter Pfade verlangt.
Die Hütteninfrastruktur in den Pyrenäen ist gut, aber nicht mit den Alpen zu vergleichen – die Abstände zwischen den Refuges sind oft größer, und manche sind nur saisonal geöffnet. Im Juli sind die meisten offen, aber Reservierung ist Pflicht, gerade jetzt in der Hauptsaison. Ich würde empfehlen, mindestens 2-3 Wochen vorher zu buchen.
Das Zentralmassiv ist eine unterschätzte Option: ruhiger, weniger Touristen, die Hochflächen der Auvergne sind landschaftlich wunderschön und kulturell interessant. Der GR4 oder Teilstücke davon wären einen Blick wert. Technisch weniger anspruchsvoll als Pyrenäen, aber definitiv kein Spaziergang.
Ardèche würde ich für Trekking eher nicht empfehlen – da ist im Juli die Hitze in den Schluchten wirklich brutal, das ist eher was für Kanutouren.
Kurz gesagt: Wenn du nach 15 Jahren wieder einsteigst, würde ich mit dem GR10 in den Pyrenäen beginnen, vielleicht im Abschnitt zwischen Hendaye und Gavarnie, das ist machbar und trotzdem eindrucksvoll.
Hallo Bernd,
ich bin selbst gerade dabei, nach langer Pause wieder mehr in die Natur zu kommen, also ich versteh das gut. Zu Frankreich kann ich zwar nicht aus eigener Wandererfahrung schreiben, aber ich hab mich vor meinem Kanada-Trip (Survival-Training vor Kanada-Trip: Sinnvoll oder übertrieben?) auch intensiv mit Konditionsaufbau beschäftigt und dabei einiges gelesen.
Die Pyrenäen im Juli sollen angeblich grandios sein, aber ich würde mir an deiner Stelle überlegen, ob du nach 15 Jahren Pause wirklich gleich mit einer anspruchsvollen Hochgebirgsroute einsteigen willst. Nicht falsch verstehen – aber Höhe, Hitze im Juli und mehrtägige Etappen sind zusammen nicht ohne. Vielleicht lieber konservativ einplanen und dann steigern?