Hallo zusammen,
ich bin eigentlich durch und durch Südamerika-Mensch – die Anden, die kleinen Märkte in Peru, das langsame Reisen durch Bolivien. Das ist meine Welt seit der Rente. Aber mein Sohn hat mich überredet, ihn diesen Sommer nach Tokio und Seoul zu begleiten, und ich muss sagen: Ich bin gleichzeitig fasziniert und ein bisschen überfordert.
Als Ingenieur interessiert mich die technische Seite natürlich sehr – die U-Bahnsysteme, die Infrastruktur, all das. Aber ich merke, dass ich nicht weiß, wie man sich als älterer Reisender dort am besten zurechtfindet. In Lima oder Cusco kenne ich die Tücken, aber in Tokio fühle ich mich wie ein kompletter Anfänger.
Konkrete Fragen: Wie funktioniert das mit den IC-Karten für den ÖPNV – kauft man die am Flughafen? Gibt es in Seoul oder Tokio gute Stadtteile, die nicht nur aus glänzenden Einkaufszentren bestehen, sondern wo man auch mal in Ruhe etwas Traditionelles erleben kann? Und wie ist das im Juli mit der Hitze und der Luftfeuchtigkeit – ich bin von den Anden ja eher trockene Höhenluft gewöhnt.
Freue mich auf Erfahrungen, auch wenn sie vielleicht ernüchternd sind!
Viele Grüße
Wolfgang
Hey Wolfgang, ich kenne das Gefühl – als jemand, der hauptsächlich in Afrika und im Mittelmeer unterwegs ist, habe ich Tokio vor zwei Jahren zum ersten Mal besucht und war ähnlich perplex. Die IC-Karte (in Tokio heißt sie Suica, in Seoul T-money) kriegst du tatsächlich direkt am Flughafen, das funktioniert reibungslos. Einfach Geld draufladen und los. Was die ruhigeren Ecken angeht: In Tokio ist Yanaka ein echter Geheimtipp – alter Stadtbezirk, wenig Glitzer, viele kleine Tempel und handwerkliche Läden. Fühlt sich fast etwas anachronistisch an inmitten der ganzen Moderne. In Seoul würde ich Bukchon Hanok Village empfehlen, wobei das im Juli von Touristen schon gut besucht ist. Zur Hitze: Es ist wirklich feucht und schwül, das ist keine Untertreibung. Plant kürzere Fußwege ein und nutzt die klimatisierten U-Bahn-Stationen als willkommene Abkühlung – die Koreaner und Japaner machen das selbst so.
Wolfgang, ich muss hier mal eine etwas andere Perspektive einbringen: Ich finde, Tokio und Seoul im Juli sind für jemanden, der die ruhige Anden-Atmosphäre gewöhnt ist, wirklich eine Herausforderung – und ich meine das nicht nur wegen der Hitze. Die schiere Lautstärke, die Menschenmassen, das permanente Blinken und Piepen... das kann echt anstrengend werden, wenn man das nicht gewöhnt ist. Ich war letztes Frühjahr in Tokio und war nach drei Tagen Innenstadt ehrlich gesagt froh, mal einen ruhigen Tag in Kamakura einzuschieben. Wäre das eine Option in eurem Plan? Kamakura liegt nur eine Stunde von Tokio, hat den großen Buddha, ist deutlich ruhiger und historisch interessant. Für einen Kulturmenschen wie dich vielleicht sogar der Höhepunkt der Reise.
Oh Wolfgang, ich war noch nie in Ostasien, muss ich ehrlich zugeben – mein Reiseradius geht selten über Europa hinaus. Aber die Frage mit der Hitze interessiert mich, weil ich im Juli selbst immer grübele wohin. Ich hoffe, du berichtest danach mal hier im Forum! Das klingt nach einem spannenden Vater-Sohn-Abenteuer.
Wolfgang, zur Suica-Karte kann ich Marcus87 nur zustimmen – die kriegt man seit kurzem auch als digitale Version übers iPhone, aber für ältere Geräte oder Android ist die physische Karte am Flughafen nach wie vor die zuverlässigste Option. Das Tokioter U-Bahnnetz ist übrigens wirklich beeindruckend pünktlich, fast schon unnnervig präzise. Als jemand der viel mit Bahn unterwegs ist, sag ich das mit Respekt.
Zur Hitze: Juli ist in Tokio wirklich nicht ohne. Tagsüber kann man gut mal 35 Grad bei 80% Luftfeuchtigkeit haben. Ich würde empfehlen, die Mittagsstunden in einem der großen Museen zu verbringen – das Tokyo National Museum in Ueno ist gut klimatisiert und hat hervorragende historische Sammlungen, die dich als Kulturinteressierten sicher mehr ansprechen als das nächste Technikspielzeug. Die Abende im Sommer sind dagegen angenehmer und die Atmosphäre in alten Stadtteilen wie Yanaka oder Nezu dann wirklich schön.