Hallo zusammen,
ich plane für Ende Juli/Anfang August eine mehrtägige Wandertour durch Österreich und würde dabei gerne wildzelten – also irgendwo abseits von Campingplätzen mein Zelt aufschlagen, morgens aufwachen mit Bergpanorama, ihr wisst schon. Klingt romantisch, ich weiß. Aber ich will das auf keinen Fall illegal machen und mir irgendwelche Strafen einhandeln.
Jetzt hab ich mich ein bisschen eingelesen und bin total verwirrt. Manche sagen, in Österreich ist Wildzelten grundsätzlich verboten, andere sagen es kommt auf die Region an, wieder andere meinen in bestimmten Schutzgebieten geht gar nichts, aber auf Privatgrund mit Erlaubnis schon? Ich blick da ehrlich gesagt nicht mehr durch.
Konkret überlege ich Richtung Steiermark oder Salzburg (außerhalb Nationalpark Hohe Tauern). Gibt es da Bereiche, wo man als Einzelperson mit kleinem Zelt über Nacht bleiben darf ohne gleich Probleme zu bekommen? Und wie ist das generell geregelt – nach Bundesland unterschiedlich, oder gibt es eine einheitliche Regelung?
Außerdem: Im Hochsommer bei den aktuellen Temperaturen mache ich mir auch Gedanken wegen Brandschutz. Offenes Feuer ist sowieso tabu für mich, aber gibt es weitere Einschränkungen die ich kennen sollte?
Für jeden Hinweis dankbar!
Lisa
Bin letzten Sommer in der Steiermark gewandert und hab das selber ausprobiert. Hab auf einer abgelegenen Almwiese nen Bauern gefragt, der war total unkompliziert und hat sogar gesagt wo die Wasserquelle ist. Morgens dann weitergewandert, kein Problem.
Die Alm-Anfrage-Strategie funktioiert wirklich gut wenn man kein Englisch redet und einfach auf Deutsch freundlich fragt 😄 Die meisten Leute dort schätzen es wenn man fragt statt einfach irgendwo zu zelten. Würd ich auf jeden Fall probieren bevor du verzweifelst.
Gute Frage, die stellen sich viele. Die Kurzantwort: In Österreich ist Wildzelten in der Regel nicht erlaubt – es gibt kein generelles Recht darauf wie zum Beispiel in Schweden oder Schottland. Grundsätzlich gilt hier das Prinzip des Privateigentums, und fast alle Flächen gehören jemandem (Gemeinde, Forst, Privat).
Bei Nationalparkflächen ist es komplett tabu, das dürfte bei Hohe Tauern für dich ja schon klar sein. In anderen Regionen – Steiermark, Kärnten, Salzburg – ist es offiziell verboten, aber die Realität sieht so aus: Wenn du dein Zelt spät aufstellst, früh wieder abbrichst, keinen Müll hinterlässt und kein Feuer machst, schaut in abgelegenen Gegenden oft niemand hin. Das ist natürlich kein Rechtsrat, sondern nur die gelebte Praxis vieler Wanderer.
Die andere Option: Viele Almbauern oder Forstwirte erlauben es auf Nachfrage problemlos, wenn du höflich fragst. Das klappt erstaunlich oft. Auf bewirtschafteten Almen einfach kurz anfragen.
Zum Thema Brandschutz im Juli: Offenes Feuer ist in vielen Gebieten dieses Jahr schon aufgrund von Trockenheit verboten, auch außerhalb von Schutzgebieten. Gasbrenner fürs Kochen ist also Pflicht, nicht Kür.
Was L.Hartmann schreibt stimmt so weit, ich ergänze aber noch ein paar Fakten die ich recherchiert habe:
In der Steiermark gibt es tatsächlich keine landesweite Ausnahme, aber der steirische Almweg-Gedanke wird von vielen Wanderern genutzt: Biwakieren (also nur eine Nacht ohne feste Zeltstruktur, quasi unter Sternen oder mit Biwaksack) wird juristisch manchmal anders bewertet als "zelten". Das ist allerdings eine Grauzone, keine gesicherte Rechtsauskunft.
Salzburg: Die Salzburger Landesforstgesetze sind relativ streng. Ich würde dort ohne explizite Erlaubnis des Grundeigentümers gar nicht erst anfangen.
Praktischer Tipp: Die Website des ÖAV (Österreichischer Alpenverein) hat eine recht gute Übersichtsseite zu Biwakieren und Zelten in verschiedenen Regionen. Da steht mehr drin als auf den meisten Tourismusseiten. Besonders für den Hochsommer 2026 dürften angesichts der anhaltenden Hitze auch lokale Feuerverbote relevant sein – das am besten kurz vor Antritt nochmal bei den jeweiligen Bezirkshauptmannschaften checken.